Roederer Cristal: Ein Champagner mit Besonderheiten

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Er ist der erste Prestige-Champagner überhaupt, der extra auf Verlangen des russischen Zaren Alexander II. assembliert wurde. Das ist schon speziell genug. Aber der Cristal aus dem Hause Louis Roederer weicht auch noch in der Form der Flasche von der Champagner-Norm ab. Die Geschichte dazu ist so spannend, dass ich sie euch kurz erzählen möchte.

Einige sind bauchiger als andere oder haben einen längeren bzw. schlankeren Flaschenhals. So unterschiedlich Champagner-Flaschen auch sein mögen, ihre Form entspricht ein und demselben Prinzip, das an dem der Burgunder-Flasche angelehnt ist: Die Champagner-Flasche hat prinzipiell “abfallende Schultern” und ist aus grünem, braunem oder sonstigem dunklen Glas. Außerdem hat sie am Boden mit der Culot de Bouteille eine konische Vertiefung. Normalerweise bestätigen ja immer mehrere Ausnahmen die Regel. In diesem Fall gibt es aber nur eine einzige. Und die heißt Roederer Cristal.

Denn der Prestige-Champagner des Hauses wird in einer transparenten Flasche abgefüllt. Gut, das werden inzwischen auch andere Schaumweine. Zum Beispiel der Blancs de Blanc Brut von Ruinart. Der große Unterschied: beim Cristal fehlt auch noch die Flaschenbodenvertiefung! Die Gründe dafür lassen sich in Russland finden. Nämlich bei Zar Alexander II. (1818 – 1881). Die Russen liebten bereits damals schon Champagner ohne alles. Und Alexander II. war eben ein richtig großer Roederer-Fanboy.

Deswegen beauftragte er Louis Roederer (auch der II.) im Jahr 1876 damit, eine Cuvée eigens für ihn, den Zaren, zu kreieren. Und zwar aus den besten Trauben, die das Champagner-Haus so zu bieten hatte. Versteht sich. Es war die Geburtsstunde des ersten Prestige-Champagner der Welt, der auch heute noch nur in den besten Jahren (sprich: wenn die Pinot Noir- und Chardonnay-Trauben für diesen edlen Schaumwein perfekt gereift sind) vinifiziert wird.

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Besondere Form: Aus Angst vor Attentaten

Beim Roederer Cristal ist der Name Programm. Denn die Champagner-Flasche bestand damals aus durchsichtigem Kristallglas. Und das hatte auch einen guten Grund. Zar Alexander II. hatte zu diesem Zeitpunkt bereits zwei Attentate überstanden. Seine Reformen, seine Bauernbefreiung, seine Außenpolitik ließen das Land brodeln. Dank des Kristallglases konnten seine Bediensteten mit bloßem Auge die Farbe des Champagners prüfen – und so ein mögliches Gift ausschließen.

Noch kurioser wird es aber in Sachen Flaschenboden. Der Zar bestand darauf, dass er eben keine konische Wölbung haben sollte. Der Grund: so konnte kein Sprengsatz heimlich angebracht werden. Das mag sich zunächst einmal wirklich sehr spleenig anhören. Aber so ganz unbegründet war die Zaren-Sorge nicht. Vor allem, wenn man weiß, dass Alexander II. am 13. März 1881 tatsächlich durch eine selbst gebastelte Handgranate ums Leben kam. Zum Glück war damals weit und breit kein Champagner von Roederer in der Nähe!

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Roederer Cristal ist markenrechtlich geschützt

Das Champagner-Haus Louis Roederer hat seitdem am Flaschendesign nichts geändert. Im Gegenteil! Bereits im Jahr 1876 ließ sich Louis Roederer II. den Namen, das Etikett und den flachen Flaschenboden  markenrechtlich schützen. Genau das ist dann auch der Grund, warum nicht noch weitere Schaumweine ohne Culot de Bouteille auskommen – und dafür eine Flasche mit extra dickem Boden herstellen.

Das darf bis heute halt nur das Familienunternehmen aus der Champagne. Außerdem ist es der einzige Champagner, der das Wappen des russischen Zaren auf dem Etikett trägt. Denn 1908 wurde das Familienunternehmen Louis Roederer von Zar Nikolaus II. (dem Enkel von Alexander II.) zum Hoflieferanten ernannt.

Auch am transparenten Glas hat man bei Roederer festgehalten. Hier ist man aber konsequent auf der Höhe der Zeit. Denn seit man weiß, dass direktes Sonnenlicht einen Wein ganz schnell fehlerhaft machen kann (um es mal nett auszudrücken – das Synonym für so einen Lichtgeschmack ist nicht umsonst Käseln), wird die Flasche auch immer in einer vor UV-Licht schützenden orangenen Folie verkauft. Und natürlich in einem zusätzlichen Geschenkkarton, wie es bei den meisten sehr hochwertigen Champagnern inzwischen üblich ist. Jetzt wisst ihr also, warum der Roederer Cristal so ganz anders aussieht, als alle anderen Champagner-Flaschen.

Copyright alle Bilder: ©Bottled Grapes

*Dieser Text erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Er ist ohne dem Wissen von Champagne Louis Roederer entstanden und dementsprechend weder beauftragt noch vergütet worden. Gesetzte Links dienen Service-Zwecken und sind nicht kommerziell.

Autor: Bottled Grapes

Wein ist meine große Leidenschaft. Und genau darum dreht sich alles auf meinem Blog Bottled Grapes.

2 Kommentare zu „Roederer Cristal: Ein Champagner mit Besonderheiten“

  1. Interessant, wußte ich noch nicht! Ich werde aber vermutlich nicht in den Genuß einer solchen Flasche kommen, auch weil ich Roederer generell aufgrund deren aggressiven Markenrechtsstreitigkeiten auf meine persönliche schwarze Liste gesetzt habe.

    Übrigens: in der Überschrift fehlt noch was…

    Gefällt 1 Person

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