Weinlagerung, Bottled Grapes, Wein, Blog

Weinlagerung in der Großstadt

Wer sich für Wein interessiert, ihn gar liebt und ihm mit Leidenschaft begegnet, der wird irgendwann ein Platzproblem haben. Zum einen, weil die Sammelleidenschaft mit Hortungsbedürfnis einsetzt. Zum anderen, weil der ein oder andere Wein dann doch noch ein paar Jährchen reifen darf. Doch wohin mit all den schönen Flaschen?

Lange Gänge, in denen sich die Flaschen wohlgeordnet stapeln. Oder wie wäre es mit einem schönen Kellergewölbe, das ebenso altmodisch wie prachtvoll anmutet? Für die meisten Weinliebhaber sind solche Weinkeller oft die Idealvorstellung. Doch bleiben sie meist ein Traum. Bei normalsterblichen Weintrinkern sieht die Realität doch gehörig anders aus. Da kann man schon froh sein, wenn der eigene Keller zum Lager umgebaut werden kann. Denn Wein ist eine Diva. Soll er in Würde – also optimal – reifen, braucht er gewisse Grundvoraussetzungen.

Sind die Flaschen mit einem Korken verschlossen, sollten sie liegend gelagert werden, wenn man sie nicht in den nächsten ein, zwei Jahren trinken möchte. Damit der Wein den Kork benetzt und dieser nicht austrocknet. Flaschen mit Glas- oder Schraubverschluss lassen sich auch stehend lagern. Oder liegend. Was einem halt so lieber ist. Aber da die meisten lagerfähigen Weine nach wie vor einen Korken haben, konzentrieren wir uns einfach mal weiter darauf. Der kann nämlich auch von außen austrocknen – trotz schützender Kapsel. Da kommt halt trotzdem Luft durch. Ist diese zu trocken, wird der Korken maulig. Also bitteschön ausreichend Luftfeuchtigkeit. So zwischen 60 und 70% sind ideal. Und dann erst die Temperatur! 10 bis 12°C, bitte. Über 20°C soll ja katastrophal sein. Und bitte keine großen Temperaturschwankungen! Da kannste den Wein auch gleich wegschütten!

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Flaschen mit Korken bitte liegend lagern ©markusspiske/Pixabay

Alternativen fürs Zuhause

Klar, das ist jetzt ein wenig überspitzt, trifft den Kern der Sache aber trotzdem recht gut. Nämlich dass die richtige Weinlagerung im eigenen Keller doch ein wenig Aufwand und Kontrolle benötigt. Man kann seinen Keller natürlich umbauen und isolieren und die Luftfeuchtigkeit ständig im Auge behalten. Aber mal Hand aufs Herz: habt ihr überhaupt einen Keller, den man ansatzweise für Wein nutzen kann? Also ich habe den nicht! Unser Keller ist – wie so viele Großstadtkeller – ein kleiner überheizter Bretterverschlag.

Wir könnten da natürlich einen Weinkühlschrank reinstellen. So nen richtig schönen Stromfresser. Aber wie gesagt: Bretterverschlag. Jeder der vorbeigeht, kann also sehen, was sich im Kellerraum befindet. Das möchte ich dann irgendwie auch nicht. Dabei haben wir einen Weinschrank. Einen Weinlagerschrank, um genau zu sein. Nämlich in der Wohnung. So eine Anschaffung will natürlich auch gut überlegt sein. Weinschränke sind teuer. Und halt oft auch Stromfresser. Und dann vibrieren viele davon auch noch! Auch nicht so doll, wenn man lagern will.

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Sehr schick, aber für viele Weintrinker nur ein Traum ©pixel2013/Pixabay

Garantien und Lagerung

Bei den Weinschränken muss man genau hinschauen und sich gut überlegen, was man will. Einen Klimaschrank, um unterschiedlich zu temperieren? Oder doch einen vibrationsarmen Lagerschrank? Letzteren hat mein Mann mit in die Beziehung gebracht. Anschaffungsgrübeleien hatte ich da also nicht. In so einen Weinschrank passt echt viel rein. Trotzdem war unserer vor nicht allzu langer Zeit voll. Wir horten zwar nicht maßlos, haben aber ein Faible für Weine entwickelt, die gerne noch ein paar Jahre weiterreifen dürfen. Und damit begann das Platzproblem. Welche Möglichkeiten hat man da als Großstädter?

Inzwischen bieten größere Weinhandlungen (auch Ketten) oder Restaurants Weinlagerplatz an. Der Vorteil: die Weine werden professionell gelagert. Gerade im Weinhandel gibt es oft auch Garantien. Der Nachteil: der Wein muss meist auch in der Handlung gekauft worden sein, darf ihn nie verlassen haben, damit die Garantie auch garantiert garantiert wird. Uff. Außerdem sind die Preise jetzt auch nicht sooooo niedrig. Und man kann seinen Wein meist nicht selbst hinbringen und wieder abholen, sondern muss ihn sich liefern lassen. Für alle, die einen irgendwie gearteten persönlichen Bezug zu den Weinen entwickeln, ist das nur bedingt prickelnd.

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Wohin nur mit all den Flaschen? ©phideg/Pixabay

Externe Weinlagerung

In einigen Großstädten gibt es inzwischen Ableger der WeinBank. Auch eine Alternative. Das ist so eine Art Weinclub, wo Mitglieder verschieden großen Fächer zur Weinlagerung anmieten können. In den Banken darf man als Mitglied dann auch private Verkostungen im gehobenen Umfeld abhalten. Alles sehr schick und edel. Und sehr teuer. Also wirklich, wirklich teuer. Ich persönlich kann mir die Mitgliedschaft nicht leisten. Würde es aber auch nicht wollen. All der schöne Wein, den man sich für den Monatsbeitrag kaufen kann! Hach!

Es gibt aber noch eine Möglichkeit. Stichwort Selfstorage. Ja, genau. Diese anonymen Lagerräume, wo man seinen Krempel zwischenparken kann. In den größeren Städten gibt es inzwischen einige Anbieter, die nicht nur normale Lagerräume haben, sondern auch Bereiche für Wein. Das nennt sich dann Weinstorage. Eine abgetrennte Abteilung, die konsequent Temperatur und Luftfeuchtigkeit halten kann – und die Weine für den Fall der Fälle auch noch versichert sind (nicht, dass das ein Trost wäre, wenn da mal was schiefgehen sollte!). Hier kann man unterschiedlich große Fächer mieten, die nur ein Bruchteil dessen kosten, was die WeinBank so verlangt. Es ist zwar weder stilvoll noch edel und schon gar nicht romantisch, aber so ein Weinstorage erfüllt seinen Zweck recht gut. Zumal man sieben Tage die Woche von 6 bis 22 Uhr an seinen Stoff kommt. Ihr ahnt es vielleicht schon: wir haben uns für so ein Weinstorage entschieden. Wobei natürlich auch die Vorteile aller anderen Alternativen nicht zu verachten sind. Zu unserem Weinleben hat das aber – neben dem Lagerschrank – am besten gepasst. Und ihr so? Lagert ihr euren Wein? Und wenn ja: wie?

Nachweis Titelbild: ©distel2610/Pixabay

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