Sansibar, Sylt, Weinkeller, Wein, Bottled Grapes

Ein Besuch im Weinkeller der Sansibar auf Sylt

Die Sansibar polarisiert, keine Frage. Aber selbst der strikteste Sansibar-Verweigerer, der zugleich Weinliebhaber ist, muss zugeben, dass der Weinkeller des legendären Strandrestaurants ziemlich beeindruckend ist. Schließlich hat das Lokal eine der größten Weinkarten Deutschlands. Was folgt, ist ein Besuch des Weingewölbes.

„Wie hast du es geschafft, dir den Weinkeller der Sansibar anschauen zu dürfen?“ Genau diese Frage musste ich vor ein paar Wochen recht häufig im privaten Weinliebhaberkreis beantworten. Nein, ich habe keine Beziehungen spielen lassen. Die habe ich nämlich gar nicht. 😉 Und nein, ich habe mich auch nicht als Bloggerin oder Instagrammerin dort angemeldet. Schließlich waren mein Mann und ich komplett privat auf der Insel und im Urlaub. Und trotzdem durften wir uns den Keller spontan anschauen. Weil wir ehrlich waren. Und weil wir wohl den richtigen Wein getrunken haben.

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Die Champagner-Ecke! ©Bottled Grapes

Wie Klischees zerbröseln

Obwohl wir jedes Jahr in der Nebensaison auf Sylt sind, habe ich mich bis dato vehement geweigert, auch nur einen Fuß in die Sansibar zu setzen. Lang lebe das Klischee! Da treiben sich doch eh nur die Schönen und Reichen rum, dachte ich. Rich Kids lassen den Champagner in Strömen fließen, meinte ich. Diese Plastikwelt ist nix für mich, war ich fest überzeugt. Im Sommer mag das auch durchaus so sein. Das kann ich nicht beurteilen, denn diese Erfahrung steht bei mir noch aus. Im Winter allerdings ist die Sansibar ein paradiesischer Ort für Genussfreunde. Vergangenen Dezember hat mich mein Liebster nämlich endlich dazu überreden können, mal mit ihm dort zu essen.

Was für ein Service! Locker, per du und absolut perfekt. Nicht zu schnell, nicht zu langsam, immer höflich und auf Augenhöhe. Und dann erst das Essen! Frisch, lecker und von hoher Qualität. Rundum wohl gefühlt habe ich mich natürlich auch, weil alles so schön entspannt und so gar nicht affektiert oder künstlich war. Wunderbar! Allein darüber könnte ich stundenlang schreiben, aber lasst uns endlich zum Thema kommen. Dem Wein. Die Weinkarte der Sansibar ist legendär. Auf über sechzig Seiten tummeln sich Weine aller Arten und Länder. Wobei die wichtigsten Vertreter jeden Landes konsequent dabei sind. Das kann mal teuer, aber auch mal erschwinglich sein.

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Dieser Wein war unser Türöffner ©Bottled Grapes

Sansibar. Legendäres Restaurant mit legendärer Weinkarte

Zum Glück haben wir uns die Weinkarte schon online angeschaut, bevor wir hingefahren sind. Ein großer Vorteil. Denn bei so einer Auswahl braucht man vor allem erst einmal eins: Zeit. Und wenn man sich schon ein wenig mit Weinpreisen auskennt, schadet das auch nicht. So ganz bin ich durch die Kalkulation nämlich nicht durchgestiegen. In der Regel sind die Preise durchweg vernünftig, aber bei einigen Weinen wird dann schon arg was draufpackt. Wiederum andere Flaschen bekommt man zum Schnäppchenpreis. Für genau so eine haben wir uns dann übrigens entschieden. Einen Riesling Smaragd von F.X. Pichler. Ich bin und bleibe halt eine Österreichliebhaberin. 🙂

Aber wie kam es nun, dass wir in den Weinkeller konnten? Tja, nach dem tollen Essen musste ich mein Herz mal auf der Zunge tragen und habe unseren Kellner enthusiastisch zugeschwallt, wie toll doch hier alles ist und wie anders als zuerst befürchtet. Und dass ich ganz geflasht bin und so. Der Kellner setzte sich zu uns, plauderte ein wenig mit uns, kassierte und meinte dann, während er auf unsere leere Rieslingflasche deutete: „Ich sollte mein Pulver zwar nicht bei eurem ersten Besuch hier komplett verschießen, aber ich sag mal so, wer so einen Wein trinkt, der interessiert sich auch dafür. Habt ihr Bock, euch unseren Weinkeller anzugucken?“ Bäm! Kennt ihr dieses Gefühl tief drinnen im Bauch, wenn jemand euch gerade eine ganz große Freude macht? Genau so! Bei mir! Ganz dolle!

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Was für eine schöne Weinpräsentation! ©Bottled Grapes

Weg mit den Mythen!

Keine fünf Minuten später wurden wir liebevoll der Fürsorge von Björn übergeben, der seit über dreizehn Jahren in der Sansibar arbeitet und der sich mit dem Weinkeller verdammt gut auskennt. Behutsam bugsierte er uns hinter der Theke die Treppe runter ins Weinparadies. Ein Träumchen!

Um mal mit ein paar Klischees aufzuräumen: Ja, der Weinkeller ist direkt unter dem Restaurant – und mit über 3.000 Positionen auch echt riesig. Nein, das sind nicht alle Weine. Der Großteil lagert auf dem Festland, denn schließlich werden hier auch gereifte Weine angeboten. Und der Weinclub mit seinen über 5.000 Abonnenten muss ja auch irgendwie bedient werden. Und nein, der Weinkeller der Sansibar geht auch nicht bis unter die danebenliegende Düne, die angeblich extra dafür schockgefrostet und ausgehöhlt wurde. Diese Geschichte macht sich prima in der Presse, was sie aber trotzdem nicht wahrer macht. Unter einer Düne zu graben und zu bauen verträgt sich nicht mit dem strengen Naturschutz auf Sylt. Der Weinkeller ist ergo tatsächlich einfach nur ein Keller unter dem Küchenbereich. Aber was für einer!

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Wein. Wohin das Auge auch reicht. ©Bottled Grapes

Exklusive Weine für die Sansibar

Dass der Weinkeller regelmäßig von Gästen besucht wird, merkt man ihm an. Er ist nicht nur sehr gut sortiert, sondern auch sehr aufgeräumt. Mal ganz davon abgesehen, dass einige Flaschen auch recht repräsentativ drapiert sind. Reines Schmuckwert, um einfach nur zu beeindrucken, sind sie aber nicht. Auch nicht die 18-Liter-Flaschen. Der Kellerinhalt wird im Jahr tatsächlich komplett umgesetzt. Als ich Björn mit großen Augen anschaute, erwiderte er grinsend, dass bei einer Feier mit 30 Gästen 18 Liter ganz schnell alle sind. Stimmt auch wieder. Größe ist eben immer relativ.

Was ich persönlich auch noch beeindruckend fand: die Sansibar hat im offenen Weinausschank ausschließlich spezielle Editionen, die von Winzern exklusiv für das Strandlokal gemacht werden. Und das sind nicht irgendwelche Winzer! Der legendäre Klaus Peter Keller zum Beispiel macht eine Cuvée aus Weiß- und Grauburgunder für das Sylter Restaurant. Ebenso wie die Weingüter Heger, Thanisch, Manz und Weil. Und auch Markus Schneider ist dabei.

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Natürlich sind alle Flaschengrößen zu finden ©Bottled Grapes

Viel Wein für viele Menschen

Mich hat da interessiert, wie groß die Abnahmemengen so sind. Richtig ins Detail ist Björn da nicht gegangen. Verständlicherweise. Aber allein von Schneider kauft die Sansibar insgesamt pro Jahr über 120.000 Flaschen. Das ist dann natürlich nicht nur die Sansibar-Edition, sondern auch viele andere Weine des Erzeugers, was aber nichts daran ändert, dass das eine beeindruckende Menge ist. Während andere Weinhändler bei einem Winzer vielleicht mal ein exklusives Fass haben, das dann nur für sie abgefüllt wird, braucht die Sansibar schon eine ganze Lage, um die Nachfrage bedienen zu können.

Mein Liebster und ich durften durch die Gänge stöbern und mit übersprudelnden Weinliebhaberherzen Bauklötze ob all der Schätze, die dort im Keller lagern, staunen. Und wenn wir Fragen hatten, beantwortete Björn sie mit einer Engelgeduld und totaler Freundlichkeit. Nach einer halben Stunde war es dann aber auch schon wieder Zeit zu gehen. Aber das Erlebnis hallt nach. Bis heute. Ein wirklich beeindruckender Weinkeller! Und es ist gar nicht so utopisch, sich den mal anschauen zu dürfen. Außer vielleicht in der Hauptsaison. 😉

Nachweis Titelbild: ©Bottled Grapes

*Dieser Artikel entstand ohne dem Wissen der Sansibar und wurde dementsprechend weder beauftragt noch vergütet.

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